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03.10.2013
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Claudia Ludwig
www.tiervision.de
Als mich Sabina Pilguj vor längerer Zeit darum bat, als große Hundefreundin, die ich ja bekanntlich wirklich bin, einen Beitrag für diese Homepage zu verfassen, tat ich mich damit zunächst sehr schwer, hatte ich doch schon viel über Hunde als den besten Freund von uns Menschen geschrieben. Ganze Bücher sogar, mitunter sogar meinen Hunden gewidmet. Da ist doch eigentlich schon alles gesagt, dachte ich. Aber über Hunde ist natürlich niemals alles gesagt. Geht gar nicht. Und so ist auch mir doch noch das ein oder andere eingefallen, ganz persönliche kleine Erlebnisse, die ich noch nie aufgeschrieben habe …

Als Moderatorin von “Tiere suchen ein Zuhause” beim WDR und manchmal auch bei “Herrchen gesucht”, der “Mutter aller Tiervermittlungssendungen” beim HR, sowie heute in meiner aktuellen Reihe “Claudias Tiervermittlung” im Internet (zu finden auf: www.tiervision.de), wurde und werde ich immer wieder  gefragt, ob ich denn gar keine Angst vor (fremden) Hunden habe, und warum eigentlich nicht. Okay, in ganz superseltenen Einzelfällen hatte ich auch schon einmal Angst vor einem Hund, aber normalerweise tatsächlich nicht.

Ich bin sicher, dass das etwas damit zu tun hat, was mir mein sehr tierlieber Vater erklärt hatte, als ich ein kleines Kind war. Er sagte mir: “Tiere haben einen Instinkt. Sie spüren, ob es ein Mensch gut mit ihnen meint oder nicht. Und ganz besonders gilt das für Hunde. Sie merken sofort, wenn jemand sie mag und ihnen nichts tun will.” Das habe ich mir nicht nur total gemerkt, das hat mir auch sehr gut gefallen und vollkommen eingeleuchtet. Wie praktisch, dachte ich, das ist ja ganz großartig, jeder Hund weiß sofort, dass ich eine Nette bin, die ihn nur streicheln und ihm Gutes tun will. Das hat die Natur prima eingerichtet. Nicht ausgeschlossen, dass ich damals, jung, wie ich war, vielleicht sogar noch glaubte, dass das der liebe Gott so geschickt eingefädelt hat.

Wie auch immer, ich habe mich voller Vertrauen auf das verlassen, was mir mein Vater mit auf den Weg gegeben hatte. Und eigentlich bin ich damit im Großen und Ganzen immer gut gefahren. (Sicherheitshalber sei an dieser Stelle bemerkt, dass ich natürlich nicht immer so unkritisch auf das gehört habe, was mir meine Eltern einreden wollten …)

Leider wurde mein sehnlichster Wunsch nach einem Hund für die eigene Familie lange nicht erfüllt. Denn im Gegensatz zu meinem Vater und zu meiner großen Schwester und zu meiner Oma konnte meine Mutter Hunde nicht ausstehen. Daran hat sich eigentlich auch kaum etwas geändert. Manchmal fällt der Apfel halt doch etwas weiter vom Stamm ….
Später konnte sich aber dann doch die Hunde-Mehrheit in der Familie durchsetzen. Meine Kinder sowie die meiner Schwester mussten sich dagegen nie einen Hund wünschen. Die waren immer schon da, als sie auf die Welt kamen.

Und nun noch vier kurze Begebenheiten, die Hundefreunde bestimmt gut nachempfinden können:

1)  Mein allererster eigener Hund, Flaschenkind Mikis aus einer griechischen Mülltüte, hat mir beigebracht, mich auf die hundische Menschenkenntnis zu verlassen. Auf einem Fest mit sehr vielen Menschen hatte er sich einmal einen der Gäste herausgepickt und eben diesen einen immer wieder angebellt. Das war mir unerklärlich und so peinlich, dass ich mich für Mikis‘ schlechtes Benehmen beim Gastgeber entschuldigte. Der flüsterte mir dann allerdings zu: „Lass gut sein. Der Typ, den er da ankläfft, das ist ein echter Idiot, den ich eigentlich gar nicht eingeladen habe.“

Es folgten etliche weitere Beispiele für Mikis‘ guten Instinkt. Also hörte ich auf ihn. Begegnete er einem Menschen mit Misstrauen und zeigte das deutlich, dann war es für mich überhaupt keine Frage, dass dieser Mensch mit ziemlicher Sicherheit ein recht unsympathischer Zeitgenosse sein muss, den man besser nicht näher kennenlernen sollte.

Umgekehrt funktionierte das Ganze übrigens leider nicht: Weil der extrem freundlich-fröhliche Mikis von nahezu allen Menschen, die er traf, vollkommen begeistert war, konnte man sich keinesfalls darauf verlassen, dass die dann alle total nett und in Ordnung waren!


2)  Einmal wollte meine Freundin Claudia G. mir einen Bekannten beschreiben, den sie blöd fand. Sie war so aufgebracht, dass  sie das, was sie an ihm so alles an guten Eigenschaften und Einfühlungsvermögen vermisste, kaum in Worte fassen konnte. Stattdessen fuchtelte sie wild mit den Armen herum, verdrehte die Augen und blickte immer wieder seufzend gen Himmel, bis es plötzlich aus ihr herausbrach: “Weißt Du”, sagte sie, “das ist einfach so einer, der versteht die Hundesprache nicht!” – “Ach so.” Das reichte. Ich wusste sofort, was sie meinte.

3)  Der Vater meines Ex-Freundes war sich mit meiner Mutter darin einig, dass man auf Hunde doch gut verzichten könne. Bei einem wunderschönen  gemeinsamen Spaziergang im Schwarzwald sagte er ärgerlich zu mir: “Sie können doch einen Hund nicht mit einem Menschen vergleichen!” – Ich weiß leider nicht mehr, was ich vorher getan und gesagt habe, dass ihn zu diesem Tadel veranlasst hatte. Aber an das, was mein Freund daraufhin ganz trocken entgegnet hat, erinnere ich mich gut: “Wenn sie das macht, dann kommst du als Mensch noch gut weg.”
{Überflüssig zu erwähnen, dass es schon einen Grund hatte, dass ich mit dem Vater meines damaligen Freundes noch per Sie war …}


4) So, und zum Schluss noch etwas Lustiges; und auch das ist eine wahre Begebenheit: 
In den Skiurlauben vermisse ich meine Hunde immer ganz besonders, denn da nehmen wir sie - im Unterschied zu den meisten anderen Reisen - nicht mit. Vor vielen Jahren bei einem Urlaub im Aostatal fehlte mir mein Hund Mikis, mit dem ich ein besonders inniges Verhältnis hatte {Flaschenkind!!}, nach ein paar Tagen so sehr, dass ständig nach Hunden Ausschau hielt, die ich ansprechen und kennenlernen konnte.


Einmal während einer kurzen Pause in einem Liegestuhl auf  der Terrasse eines Gipfelrestaurants freute ich mich daher, als mich plötzlich von hinten etwas Felliges sanft anstupste. Sofort und ganz automatisch fing ich an, es zu kraulen. Ich hatte allerdings nicht genau hingeschaut. Und damals waren diese dicken Fellboots gerade so modern. Der Mann, der in der Liegestuhlreihe hinter mir seine Beine ausgestreckt hatte, war sehr irritiert …. 



Claudia Ludwig, Journalistin, Autorin & Moderatorin
August 2013



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